Holtenau - Kiels Stadtteil Nr. 3


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Ob die erstmals im 14. Jahrhundert in Urkunden auftauchenden Namen Altena bzw. Olthena schon das spätere Bauerndorf Holtena (ohne u !!!)  und damit den heutigen Kieler Stadtteil Holtenau bezeichnen, ist schwer zu klären. Ob mit dem a - ähnlich wie im Skandinawischen mit dem å - das Wort Au gemeint ist, ist umstritten. Daß es allerdings sein könnte, ist jedoch nicht unwahrscheinlich, da an mehreren Stellen des Kieler Westufers nordische Namen auftreten. Eine Au gab und gibt es, nämlich die Levensau (1225 als Leuoldesowe, d.h. Au des Lewolds, genannt). Sie hatte ihr Bett im südlichen Holtenau und mündete vor Beginn der Kanalbauten im 18. Jahrhundert in die Kieler Förde und bildete die Grenze zwischen Holtenau und der Wik. Eine andere Namensdeutung für Holtenau ist die Erklärung, das Holtena (später: Holtenau) von "all to nah" (allzu nahe) käme. Möglicherweise war dies einst eine Herberge an der Levensau.

Über das Bauerndorf Holtenau gibt es gesicherte Informationen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Etwa dort, wo heute die Dankeskirche steht, richteten Anfang des 17. Jahunderts die Gutsbesitzer von Seekamp (heute ein Teil Schilksees), denen auch Holtenau gehörte, einen Meierhof ein, der allerdings schon 1680 wieder aufgeben wurde und nach Stift (heute: Altenholz-Stift) verlegt wurde. Wie die anderen Dörfer im Gutsbezirk Seekamp bekamen auch die Holtenauer um 1791 ihre Freiheit (Aufhebung der Leibeigenschaft). Holtenau erhielt wenige Jahre nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen den Status einer Landgemeinde (1876) im Landkreis Eckernförde.

Hatte die 1779 fertiggestellte und zu ihrer Zeit bedeutendste künstliche Wasserstraße der Erde, der Schleswig-Holsteinische Kanal, nur wenig Einfluß auf das Leben der Holtenauer, so sollte der - 1895 als Kaiser-Wilhelm-Kanal eingeweihte - neue Kanal die Situation der Landgemeinde fundamental verändern. Es kamen Kanalbehörden, Lotsenhäuser, Handelsfirmen, dazu Ansätze einer großstädtischen Bebauung mit zahlreichen Geschäften, die Schleusenanlagen sowie neuangelegte (und vorher zerschnittene!) Verkehrswege (Kanalbrücken und -fähre). Alles veränderte das Bild Holtenaus grundlegend und bestimmt es noch heute. Eine erhebliche Zunahme der Einwohnerzahl war eine der vielen Folgen. 1876 hatte Holtenau nicht einmal 400 Einwohner gehabt, 1922 - zur Zeit der Eingemeindung - waren es bereits über 3000.

Um das Jahr 1900 herum war Holtenau wie auch die anderen Gemeinden des Dänischen Wohldes  noch nahezu ausschließlich von der Landwirtschaft geprägt, selbst das Militär - es gab ein Fort Holtenau zum Schutz von Friedrichsort - spielte eine untergeordnete Rolle und auch die Kanalverwaltung hatte noch bescheidenen Umfang.. 25 Jahre später sah alles ganz anders aus. Wenige Jahre nach dem 1. Weltkrieg wurde Holtenau nach Kiel eingemeindet - zusammen mit Pries und Friedrichsort. Die Einwohnerzahl war bis 1922 auf gut 3000 gestiegen (heute sind es etwa 6000). Durch die Eingemeindung hoffte die Stadt Kiel dringend benötigte Industrie- und Gewerbeflächen zu bekommen, Holtenau erhoffte sich die Lösung der durch den Abzug der Marine enstandenen Probleme. Doch nicht alle Holtenauer waren glücklich über die Eingemeindung.

Die ohnehin geschleiften Festungsanlagen wurden Mitte der 20er Jahre entfernt, das Terrain planiert, alte Katen, Wege und Knicks verschwanden weiträumig, gewaltige Erdmassen wurden verschoben und es entstand ein Flughafen für den aufstebenden neuen Verkehrszweig Luftfahrt. Auch der schöne schlanke Turm der Holtenauer Kirche mußte weichen. Er wurde durch den noch heute stehenden gedrungenen kurzen Turm ersetzt, der eine merkwürdige und eigenartige Komposition mit dem Rest des Gebäudes bildet. Im April 1928 wurde der zivile Flughafen Kiel-Holtenau in Betrieb genommen und konnte vor wenigen Jahren seinen 80sten Geburtstag feiern.

Mit Ende des Kaiserreiches war die Marine, die 1864 gekommen war und den Standort Voßbrook aufgebaut hatte - eigentlich im Besitz der Stadt Kiel seit alten Zeiten - , aus Holtenau wieder verschwunden. 1934 kamen die Blauen Jungs wieder - für gerade einmal 11 Jahre. 1956 kamen sie wieder und sind bis heute geblieben. Doch inzwischen geht die Bedeutung Holtenaus als militärischer Standort zurück, es steigt die Bedeutung als Zivilflughafen, während der Schiffsverkehr auf dem Kanal immer wieder Anlaß zur Sorge bietet: geringe Treibstoffkosten und große seetüchtige Schiffe machen immer mal wieder die Passage um Skagen interessant, auch wandern Güter ab zum Landweg, der durch den Bau der Brücken zwischen Malmö und Kopenhagen sowie über den Großen Belt an Attraktivität zugeommen hat.

1994 bzw. 1997 veränderten sich auch die Grenzen Holtenaus, für einige Bürger überraschend und wenig erfreulich. Mit der Neugliederung des Stadtgebietes 1994 bekam Holtenau die neue Stadtteilnummer 3 und mußte Gebiete nördlich des Flughafens (Schusterkrug usw.) sowie östlich und westlich der B 503 bei Dreikronen an Pries/Friedrichsort abgeben, letztere Gebiete wurde 1997 Teil der Gemeinde Altenholz.
 

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Literatur:

N. Detlefsen: Die Kieler Stadtteile nördlich des Kanals, Neumünster 1979 (vergriffen)
H. Pieper-Wöhlk/D. Wöhlk: Historisches aus den Stadtteilen (Sonderheft Kieler Anzeiger), Kiel 1998



(c) Pieper-Wöhlk, 12/2002