Der Wilhelminen-Tempel im Marienhain in Düsternbrook

In den Jahren von 1805 bis 1808 lebte der dänische Kronprinz, der spätere Frederik VI., mit seiner Frau Marie auf dem Kieler Schloß. Nachdem dem Paar bereits sieben Kinder verstorben waren,  bekamen Frederik VI. und Marie 1808 eine gesunde Tochter, die sie Wilhelmine taufen ließen. Aus Freude über dieses Ereignis schenkte die Stadt Kiel der Kronprinzessin das Waldgelände nördlich der Krusenkoppel, den sogenannten „Marienhain“ mit einem Pavillon im Stile griechischer Tempel, der 1807 von Axel Bundsen*) erbaut worden war. Als Frederik den Thron bestiegen hatte, versäumte seine Familie später bei Besuchen in Kiel nie, den Marienhain zu besuchen. Als 1873 die Stadt vom preußischen Staat das Düsternbrooker und das Düvelsbeker Gehölz erwarb, schenkte die 1808 geborene Prinzessin Wilhelmine, die mit Herzog Karl von Glücksburg verheiratet war, den Marienhain der Stadt zurück.

Rund 6 Jahrzehnte später wurde der Marientempel nach Plänen des damaligen Baurates Schroeder zum Ehrenmal für die Gefallenen der Stadt Kiel umgebaut und am 31. Mai 1935 eingeweiht. Ein ringförmiger Platz mit Einfassungsmauer ergänzte das altehrwürdige Gebäude, das von hohen Buchen umgeben wurde. Im Innenraum brannte, durch ein Gitter abgesprerrt, eine „ewige Flamme“. Die Wände des Namenssaales trugen die Namen und den Todestag der rund 8000 Kieler Gefallenen des 1. Weltkrieges.

Im 2. Weltkrieg wurde der Marientempel, eigentlich Sinnbild schleswig-holsteinisch/dänischer Verbundenheit schwer beschädigt. Er wurde nie wieder hergestellt, die Reste – so ergaben unsere Recherchen – später entsorgt. Die ringförmige Platz ist dem Verfall anheimgegeben.

*) Bundsen war der Sohn des dänischen Kaufmanns Petter Bondsen (auch Bonnesen) und der Hedevig Lund und Erbauer des Herrenhauses auf Knoop.