Schilksee-Archiv Pieper-Wöhlk
| Im Süden Schilksees: Die gemeinsame Tennisabteilung des TSV Schilksee und der SV Friedrchsort - TG Nord |
Eine
schwierige Geburt
1975 kam der erste Aufruf:: "Zur Gründung der Tennisabteilung werden alle interessierten Mitglieder um Kontaktaufnahme gebeten." Und tatsächlich wurde am 9.10.1975 auf einer vom Vorstand berufenen und von ca. 100 Mitgliedern besuchten Versammlung eine Tennissparte gegründet. Erster Spartenleiter war Ulrich Kluge. Damit gab es eine Sparte, aber keine Tennisplätze. Gespielt wurde den Winter über in der Heinrich-v.-Stephan-Schule in Friedrichsort oder in der Vaasa-Halle in Schilksee. Über 130 Mitglieder ließen sich in den ersten Monaten in den Grundlagen des "weißen Sportes" unterweisen und die Vielzahl an Talenten ließ einiges an Hoffnungen aufkeimen. Doch wie bei anderen TSV-Sparten gab es auch hier wieder die traditionellen Sportstättenprobleme. 1977 wurde die Sparte zwar nicht wieder aufgelöst, doch weitgehend auf Eis gelegt, da "...nicht mehr abzusehen war, wann die Stadt die planerischen Voraussetzungen für die Tennisanlagen schaffen könnte." 1978 stand dann zumindest der Ort fest, wo die Anlagen gebaut werden sollten: westlich der Schilkseer Straße, in der Nähe der Grundschule. Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Änderung des Flächennutzungsplanes und ein Bebauungsplan für das ausgewählte Hanggelände zur Schilkseer Au herunter erstellt würde. Da allerdings trotz allem niemand sich traute einen Fertigstellungstermin auch nur zu schätzen, wurde aus der Sparte Tennis eine Sparte in Klammern. (Tennis) stand von 1979 bis 1981 auf der Titelseite der Jahreshefte.
Im zweiten Anlauf
Zu recht scheiterte das Tennisplätze an der Schilkseer Straße, dafür wurde - zufällig am Tage der Jahreshauptversammlung 1981, am 5. Februar, eine neue Planung vorgestellt. Nunmehr sollte die Tennisanlage im äußersten Süden Schilksees, nördlich der Stadtteilgrenze zwischen Pries und Schilksee, an der Straße Koppelberg, gebaut werden. Dieses Gebiet war im Laufe der 1960er Jahre zu einem Industriegebiet ausgebaut worden, in dem sich kleinere und mittlere - überwiegend handwerkliche - Betriebe ansiedelten . Unverständlicherweise wurde und wird dieses Areal von einigen Leuten Friedrichsort zugeordnet, obwohl es nie zu Friedrichsort gehörte und auch nie auch nur in der unmittelbaren Nähe des (ehemaligen) Stadtteils lag (s. Karte). Die Randlage der geplanten Tennisanlage in Schilksee hatte den unbestreitbaren Vorteil der Nähe zu den Stadtteilen Pries und Friedrichsort wegen der geplanten Zusammenarbeit in Sachen Tennis mit dem Nachbarverein SV Friedrichsort. Die Nachrichten über Haushaltsmittel für die Tennisanlage für die Jahre 1981 und 1982 berechtigten zu einem gewissen Optimismus.
Im Tennispark Nord
Wer
es nicht hatte glauben wollen, wurde eines besseren belehrt:
Schon im Jahre 1982 im Juni konnte auf gemeinsam mit der SV Friedrichsort
auf den neuen Plätzen der Spielbetrieb aufgenommen werden. Ab
Mai desselben Jahres konnte in der Halle des Tennispark Nord ein Trainingsprogramm
für interessierte Jugendliche aufgenommen werden.
Warum dann aber noch, so wird mancher fragen, die Gründung einer Tennisgemeinschaft (TG). Die Antwort geht sehr ins Juristische. Ein Nebeneinander der beiden Tennisabteilungen des TSV sowie des SV hätte eine Teilnahme gemeinsamer Mannschaften an Wettkämpfen nach den Verbandsstatuten nicht erlaubt. Trotz gemeinsamer Arbeit für den gemeinsamen Sport fehlten den beiden Tennisabteilungen die juristischen Merkmale eines Vereines. Die Vereinsjuristen halfen den Tennisspielern aus der Patsche. Es wurde eine vereinsähnliche Konstruktion erarbeitet, die nicht die Zugehörigkeit zu den Muttervereinen aufhob, aber die Voraussetzungen für die Teilnahme am ordentlichen Spielbetrieb schuf. Statt eines echten Vorstandes bekam die TG ein Leistungsgremium mit Vorsitzendem ("Sprecher")sowie Abteilungsleitern für TSV und SV.
TG Kiel-Nord bei Punktspielen dabei
Im Sommer 1983 ist es dann soweit: gemeinsame Mannschaften der SV Friedrichsort und des TSV Schilksee starten in die Punktrunden. Vorausgegangen waren schon gemeinsame Vereinsmeisterschaften und Freundschaftsturniere sowie ein erfolgreicher Versuch mit einer gemeinsamen Jungseniorenmannschaft in der Bezirksklasse. Acht Mannschaften von den jüngsten ("Bambino") bis Herren konnten gemeldet werden.
Die zur Verfügung stehende Anlage umfaßte 1983 10 Plätze und war damit eine der größten im Lande. Trotzdem hatte die TG Nord schnell mit 660 Mitgliedern aus beiden Vereinen ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Lange Wartelisten mußten zum Vertrösten weiterer Interessenten angelegt werden. 1984 stieg die Anzahl der für Punktspiele gemeldeten Jugend-, Damen- und Herrenmannschaften auf 12, die überwiegend mit großem Erfolg in ihren jeweiligen Klassen spielten. Weiterhin waren eine Reihe hervorragender Plazierungen bzw. Siege bei Stadt- und Bezirksmeisterschaften sowie verschiedenen landesweit offenen Turnieren vermelden. Auch in den nächsten Jahren konnten ähnliche Erfolge errungen werden.
1984 wurde in einer großen Pflanzaktion die Umgebung der Tennisanlage großzügig begrünt, um die Plätze vor dem zum Teil recht starken Wind besser zu schützen.
Daß Erfolg auch Kehrseiten hat, zeigte der gleichbleibende Ansturm auf die TG Nord. Aus den Wartelisten können nur neue Mitglieder nachrücken, wenn andere austreten. Doch die Bereitschaft auszutreten war verständlicherweise nicht sehr entwickelt, da eine einmal aufgegebene Mitgliedschaft damals im Tennis so schnell nicht wieder zu beschaffen war.
Sportlich
gesehen ging es weiter bergauf. 13 Mannschaften waren gemeldet und mehrere,
wenn auch nicht alle von ihnen, konnten gute Plazierungen, ja sogar
Aufstiege in Verbands- und Landesliga feiern.
Das von der TG Nord veranstaltete Hochbrücken-Turnier
1985 brachte nicht nur erfolgreiche Organisationsarbeit, sondern
auch 1., 2. und 3. Plätze für die Tennisspieler des TSV-S
und der SV-F .
Daß sportliches Können und organisatorischer Fleiß nicht die einzigen Faktoren sind, die Sport wie Tennis zumindest im Freien beeinflussen, zeigte das Frühjahr 1986. Gleich nach der Frühjahrsüberholung gingen durch plötzlichen Frosteinbruch die Plätze wieder kaputt und konnten den ganzen Sommer über nicht in optimalen Zustand gebracht werden. Da half auch der unermüdliche Einsatz des Platzwartes Kulik nicht, die ganze Saison gab es Platzprobleme.
Ansonsten hielt auch in den nächsten Jahren der positive sportliche Trend an, 17 Mannschaften waren es inzwischen, die die Spartenleitung in die Saison schicken konnte.
Was jetzt noch fehlte, war ein Vereinsheim speziell für die Tennisspieler. Aber die Zelte, in denen z.B. 1988 das Sommerfest der TG stattfand, waren kein schlechter Ersatz.
10 Jahre TG Nord
Nach weiteren Jahren erfolgreicher Spartenarbeit mit nur
wenigen Wermutstropfen vermeidbarer oder unvermeidbarer Abstiege und Niederlagen,
die zum Sport einfach dazugehören, konnte 1993 dann Jubiläum
gefeiert werden: vor genau 10 Jahren hatten TSV-S und die SV-F
die gemeinsame Tennissparte unter dem Namen TG Nord aus der Taufe gehoben.
Daß dies Jubiläum gebührend gefeiert wurde, braucht nicht
erwähnt zu werden. Inzwischen ist die außergewöhnliche
Konstruktion rund 23 Jahre alt.
Das Tennis-Heim der TG Nord
Auch wenn es im Kapitel über die TSV-Heime schon ausführlich gewürdigt wurde, soll es auch in diesem Rahmen Erwähnung finden. Jahrelang waren die Tennsispieler der TG Nord, was das Spartenleben betrifft, Gäste im kommerziellen Haus nebenan. Dies war sicher ein erträgliche Lösung, doch auf die Dauer doch nur ein TSV-Provisorium mehr. Mit privater Hilfestellung konnte der Tennisgemeinschaft aus TSV Schilksee und SV Friedrichsort ein eigenes Clubheim zur Verfügung gestellt werden, so daß man mit Recht sagen kann: besser lassen sich die Rahmenbedingungen für den immer populäreren Sport kaum denken.
TG Nord im 21. Jahrhundert
Inzwischen
sieht es mit dem Vereinstennis im Schilkseer Süden nicht mehr so rosig
aus. Boris Becker wirkt nur noch durch Werbung und Skandale, Steffie Graf
hat die Tennisplätze mit der Familienbühne vertauscht. Tennis
ist nicht mehr so "in" wie noch in den 1980er Jahren. Die Mannschaften
überalltern, mit viel Engagement und Aufwand muß Jugendarbeit
auf die Beine gestellt werden, wo Jahre vorher die Interessenten in Scharen
von alleine kamen. Zudem erschütterte der Skandal um den 1. Vorsitzenden
der SV Friedrichsort auch die gemeinsame Tennisabteilung mit dem TSV Schilksee.
Im März 2001 kam ans Licht, daß der rund ein Jahr vorher
mit der Sportplakette des Landes ausgezeichnete Jürgen Baudach seinen
Arbeitgeber Caterpillar um Millionen erleichtert hatte, und dies keineswegs,
um den Sport im Kieler Norden zu fördern, eher um die Vereine, auch
die TG Nord, als eine Art Geldwaschanlage zu benutzen. In mühseliger
engagierter Kleinarbeit beider Vereinsvorstände konnte Schaden von
der TG Nord abgewendet werden, wobei sich der später durch einen tragischen
Unfall umgekommene Spartenleiter Franz Bündgens (TSV Schilksee) besonders
auszeichnete.