Geschichte des Thaulow-Museums (Forts.)


Marmor-Büste von Gustav Thaulow aus "seinem" Museum in Kiel

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1867, im Jahr der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen, dokumentierte der Flensburger Meisterfotograf Friedrich Brandt die Thaulowschen Museumsstücke in einer Sequenz von 93 Fotos. Mit Hilfe dieser Fotos wurde zum ersten Mal Kunst aus Schleswig-Holstein in größerem Umfang im Deutschen Reich bekannt, konnte Thaulow dann auch erfolgreich dem Vorurteil widersprechen, die von ihm gesammelten Kunstwerke stammten nur von einem einzigen zufällig besonders begnadeten „Einzeltäter“ inmitten eines ansonsten weitgehend kunst- und künstlerarmen Landes. Dieses paßt ausgezeichnet zu den preußischen Einschätzungen, die Alt-Kieler Architektur wäre wert- und bedeutungslos und könne ohne Bedenken abgerissen werden, um protzigen Neubauten im wilhelminischen Stil zu weichen (siehe Beispiel Häuser am Alten Markt in Kiel). Die handwerklich vorzüglich geratenen Aufnahmen Brandts, der auch die Kämpfe um Dybbøl (Düppel) dokumentierte, wurden in Form eines damals sündhaft teuren Albums sowie einer für wohlhabende Bürger einigermaßen erschwinglichen Stereofotografie-Buchausgabe veröffentlicht. Beide Ausgaben sind zur Zeit leider nicht ohne weiteres zugänglich.

Sechs Jahre vor seinem Tode vermachte der bis in die 1870er Jahre forschende Thaulow seine Kunstschätze, mit denen er täglich lebte, der Provinz Schleswig-Holstein. Dabei stellte er allerdings Bdingungen, von denen die wichtigsten waren: Das Museum sollte in Kiel sein und es durfte nicht nichts verkauft werden. Vor rund 125 Jahren, am 10. August 1878, wurde das erste Gebäude zur Präsentation der Thaulowschen Sammlung am heutigen Sophienblatt eingeweiht, das Museum eröffnet. Es lag etwa da, wo sich einst der südliche Teil des 1866/67 zugeschütteten Ziegelteiches befand und heute der nördliche Eingang des ehemaligen Hertie-Kaufhauses liegt.  Leider fehlte es in den ersten Jahren des Museums an der notwendigen Förderung des Projektes, insbesondere fehlte die fachmännische Kompetenz bezüglich der Pflege, Erhaltung und Weiterentwicklung einer Sammlung dieser Bedeutung. Erst 1893 fanden sich im Bereich der obersten Verwaltungsgremien der Provinz geeignete Förderer, die eine grundlegende Überarbeitung des Museums in Gang setzten, so daß im Jahre 1896 die Sammlungen völlig nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten neu konzipiert wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnten. Aufgrund der sehr beschränkten öffentlichen Mittel - militärische Projekte hatten bereits Vorrang - reichte der zur Verfügung stehende Raum bald  nicht mehr aus. Auf städtischem Grund und bei einer 50%igen Beteiligung der Stadt an den Baukosten von 400000 Goldmark (heute ein mehrstelliger Millionenbetrag in Euro!) entstand 1906 nach Plänen des Kieler Architekten Moldenschardt der erste Erweiterungsbau. 1911 kam der zweite zusätzliche Baukörper dazu, außerdem wurden die finanziellen Mittel für Ausbau und Betrieb des Museums erheblich vergrößert. Auf einem um das Vierfache vergrößerten Flächeninhalt konnte die Präsentation von Ausstellungsstücken zum Thema Kulturentwicklung und Kunst in Schleswig-Holstein vom Mittelalter bis in die Neuzeit erheblich ausgeweitet werden.

Die Präsentation der Bestände war auf über 60 Räume verteilt und in 5 Abteilungen angeordnet: I. Kirchliche Kunst des Mittelalters bis zur Reformation, II. Entwicklung häuslicher Kultur vom Mittelalter bis zum Ende des 17. Jahrhunderts, III. Kirchliche Kunst nach der Reformation, IV. Entwicklung häuslicher Kultur seit Ende des 17. Jahrhunderts und V. Bäuerliche Kultur Holsteins im 18. und 19. Jahrhundert. Besonders bedeutsam für Kiel waren die Ausstellungsbereiche, in denen eine geschlossene Sammlung von historischen Zimmern aus dem um 1900 großflächig zerstörten Alt-Kiel von der Barock- bis zur Biedermeierzeit sowie Teile der mittelalterlichen Innenausstattung der Kieler Nikolaikirche zu besichtigen waren. So blieben zumindest bis zum Beginn der 1940er Jahre wichtige Erinnerungsstücke an das Kiel der dänischen Zeit erhalten und zugänglich. (Ein Teil wurde nach 1970  in das Stadtmuseum im Warleberger Hof eingebaut, als die Reste des alten Thaulow-Museum-Gebäudes zugunsten des Hertie-Neubaus abgerissen wurden.) In den  Jahren nach 1911 wurde das Museum in den vorhandenen Gebäuden weiter ergänzt und ausgebaut, so daß es schließlich kurz vor dem 2. Weltkrieg zur Umbenennung des Thaulow-Museums in Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum kam. Im Bewußtsein der Menschen blieb das Haus am Sophienblatt gegenüber der Oberpostdirektion jedoch das Museum Gustav Thaulows.

Im 2. Weltkrieg wurden die Gebäude schwer beschädigt, doch nicht annähernd vollständig vernichtet. Ein Wiederaufbau der zerstörten Teil wäre durchaus im Rahmen des Möglichen und Sinnvollen gewesen, außerdem soll eine Verpflichtung bestehen, daß das Gelände nie anderen Zwecken als einem Museum dienen darf. Wie auch immer die Lage tatsächlich war, statt ein neues Haus für Kultur in Schleswig-Holstein zu errichten, verkaufte die Landesregierung 1969 das Grundstück am Sophienblatt 2, die zum Teil noch stattlichen Reste der Bauten von 1906 und 1911 mit dem alten Landeskeller sowie die Ruine des Altbaus von 1878 verschwanden zugunsten eines eher häßlich zu nennenden Kaufhausbaus. Die Museumsbestände waren ohnehin aus rein politischen Gründen schon 1947 nach Schleswig gebracht und bildeten zusammen mit einem zweiten Ur-Kieler Museum den Grundstock für das heutige Museum in Schloß Gottorf . Ob dies eine für die Sammlung Gustav Thaulows wirklich gute Lösung war? Wir wagen es zu bezweifeln. Daß - zumindest aus Kieler Sicht - das Landesmuseum in Schleswig nicht unbedingt in optimaler Form das Erbe  Gustav Friedrich Thaulows pflegt, zeigen drei der Erfahrungen der Verfasser dieses Artikels mit dem Gottorfer Museum. 1. Auf Nachfrage nach den Bildern bestimmter Kieler Künstler und Alt-Kieler Räumen konnte das Personal keinerlei Auskunft geben. 2. Nach wiederholter vergeblicher Nachfrage nach einem vermutlich noch lieferbaren Katalog des (Kiel-)Schilksee/Seekamper Malers Hans Olde d.Ä. stellte sich heraus, daß die noch zahlreiche und gefragte Restauflage vergessen auf einem Dachboden des Schlosses fast verschimmelt wäre, aber - noch rechtzeitig wiedergefunden - dann in einer Stöberkiste des Museumsladen lieblos  verscherbelt wurde. 3. Engagiert zeigte sich ein Schleswiger Museumsmensch allerdings bei dem Hinweis, daß großer Wert darauf gelegt würde, daß der Name Gottorf bitte nicht in der dänischen Form mit „p“ am Ende geschrieben würde. Dieses Anliegen wird - so denken wir - den Gedanken der heimatlichen Kunst- und Kulturpflege im Sinne Thaulows besonders nachhaltig positiv  beeinflussen. Was Gustav Thaulow zum Schicksal seiner Sammlung wohl heute sagen würde und der Tatsache, daß sich an Stelle der Gebäude seines Museums seit über 30 Jahren der häßliche Betonklotz eines Kaufhauses befindet, daß das Museum seit 60 Jahren nicht mehr in Kiel ist und daß sehr wohl Ausstellungsstücke verkauft wurden! Für den Kieler Kunstprofessor Bernhard Schwichtenberg ist das Thaulow-Museum seinerzeit schlicht „verkauft“ worden (Zitat 1998). Die vorliegenden Internet-Seiten sollen die Erinnerung an das Museum wachhalten!

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